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Die
GOLDBERG
VARATIONEN
verdanken ihre Entstehung einem besonderen Umstand:
einer der großen
Verehrer BACH’S, Graf KAISERLINCK, der russischer Botschafter am Hof von
Sachsen war, litt unter Schlaflosigkeit. Bach komponierte für ihn ein
Werk, das dazu geeignet war ohne Überdruss wieder und wieder gespielt zu
werden. Das Gleichgewicht und die Gewandtheit der Architektur sollte dem
Hörer Leichtigkeit und Erholung hervorrufen. Der begabte Cembaloschüler
von Bach, der junge Johann Theophilus GOLDBERG war beauftragt, das Werk
für den Grafen zu spielen.
Man
findet in den GOLDBERG
VARIATIONEN die Früchte der Arbeit, die BACH sein
Leben lang in den verschiedenen Domänen der Musik für Tasteninstrumente
erfüllt hat. Kanons, Fugen, Tanzelemente, Studien und Charakterstücke
sind in einer monumentalen Komposition kombiniert mit einer seltenen
Dichte; hier sind extreme Techniken, Kunstfertigkeit und kraftvolle
Phantasie vereinigt.
Das
Werk umfasst die Aria, die als Thema dient und 30 Variationen über dieses
Thema. Die Aria wird nach einer Serie der Variationen wiederholt, so dass
sie auf diese Art einen Kreis schließt. BACH macht eine Zäsur nach der 15.
Variation, die ein perfektes Gleichmass zwischen den zwei Teilen nach
einem klaren Plan herstellt.
Die meisten Variationen bestehen aus 16 + 16 Takten, außer vier von ihnen
(Nummer 3, 9, 21,30) die 8 + 8 Takte zählen.
Die Tonart G-Dur (die des
Themas) und ihr harmonischer Plan ist in fast allen Variationen vertreten.
Nur drei von ihnen ( Nummer 15, 21 und 25 ) stehen in G-Moll.
BACH
begnügt sich nicht mit diesen technischen Leistungen und dem wunderbaren
musikalischen Material. Er fügt in das enge Gewebe der Variationen 9
Kanons, einen jede dritte Variation. In jedem Kanon ist das Intervall der
Nachahmung um einen Ton erhöht: der erste Kanon steht im Einklang, der
zweite in der Sekunde, der dritte in der Terz usw. bis zum neunten Kanon,
der in der None steht, das heißt einen Ton höher als die Oktave. Die
Kanons die in der Quarte und Quinte stehen (Nummer 12 und 15) sind nicht
direkte Nachahmungen, sondern Umkehrungen, die die Wende zum
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Niemals
fühlt man die von BACH entwickelte Wissenschaft, da der musikalische
Reichtum und die Klarheit immer gegenwärtig sind. Zu keinem Zeitpunkt hat
der Hörer das Gefühl, eine trockene oder schwierige Musik zu hören. Es
ist zweifellos ein größeres Gelingen als in der Kunst der Fuge, deren
Majestät sicher beeindruckend ist, aber wo die Strenge der Musik nicht
immer zu verleugnen ist.
Die
zweite Hälfte der GOLDBERG VARIATIONEN wird mit einer
"Ouvertüre à la
Française" eingeleitet und ist somit die 16. Jede Variation des ersten
Teils entspricht auf gleiche Art einer Variation des zweiten Teils: das
"Gai und Vigoureux" der 4.
Variation stimmt mit dem "Passe-Pied" der 19. überein, die "Gigue" der 7.
Variation mit der
"Alla breve" der 22., die Fuge der 10. Variation mit dem rührenden Adagio
mit der raffinierten Chromatik der 25. Der Kanon in der Sekunde
geschrieben steht im Einklang mit dem Kanon in der Septime, der Kanon in
der Terz mit dem Kanon in der Oktave usw. Die Variationen 28 und 29 sind
mit ihren Verzierungen und Trillern jeder
Art von
blendender Virtuosität. Nach diesem Angriff der technischen Meisterschaft
bringt BACH eine unerwartete humorvolle Note in die letzte und 30.
Variation: das schelmische Quodlibet. Das Wort, das auf lateinisch „was
gefällt“ (quod libet) bedeutet, ist heutzutage gleichbedeutend mit „Scherz“
(quolibet). Im Barockzeitalter ist das Quodlibet eine freie Komposition,
der man Klangnachahmungen, Freudenrufe und lustige Ausdrücke hinzufügen
kann. BACH benutzte diese Freiheit wie die Scholastiker im Mittelalter,
wenn sie eine „ quodlibertische Frage “ aussuchten, das heißt, einen
Streitsatz zu wählen. Er bemächtigt sich zwei alltäglichen Liedern: “Ich
bin so lang nicht bei dir g’west“. und „Kraut und Rüben haben mich
vertrieben“ .Es ist eine Art uns zu sagen, wie sehr uns die Aria gefehlt
hat und wie gut es tut, dass sie wiederkommt um das Werk zu beenden! BACH
entschuldigt sich demütig für die „Kraut und Rüben„ die er während
eineinhalb Stunden aufgetischt hat. An uns, arme Sterbliche zu entscheiden,
was daran ist.
Übersetzung:
Cornelia REICH
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